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Tradition: Zorn ist keine Sünde

Wahrheit: Gerechte Entrüstung ist keine Sünde

Zürnet, und sündigt (dabei) nicht! Die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn, und gebt dem Teufel keinen Raum! Eph 4,26.27 Rev. Elb.

"Jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn! Denn eines Mannes Zorn wirkt nicht Gottes Gerechtigkeit. Jak 1,19.20 Rev. Elb.

Die beiden Brüder traten vor die Menge, Mose mit dem Stab Gottes in seiner Hand. Sie waren nunmehr betagte Männer. Lange hatten sie Israels Aufsässigkeit und Halsstarrigkeit ertragen. Jetzt aber ließ schließlich sogar Moses Geduld nach. „Hört doch, ihr Widerspen­stigen! Werden wir für euch Wasser aus diesem Felsen hervor­bringen?" (4.Mose 20,10 Rev. Elb.) Und anstatt mit dem Felsen zu reden, wie es Gott geboten hatte, schlug er ihn zweimal mit dem Stab. PP 417 (PP 396)

Das Urteil, das Gott augenblicklich fällte, war bitter und äußerst demütigend ... Mit dem widerspenstigen Israel mussten sie noch vor der Überquerung des Jordans sterben. Wenn Mose und Aaron viel von sich gehalten oder dem Zorn freien Lauf gelassen hätten angesichts der Warnung und des Tadels Gottes, wäre ihre Schuld noch viel größer gewesen. Aber man konnte ihnen keine vorsätzliche oder beabsichtigte Sünde zur Last legen. Ganz plötzlich hatte die Versuchung sie überwältigt, und sie bereuten es sogleich von ganzem Herzen. Der Herr nahm ihre Reue an, aber weil ihre Sünde Schaden unter dem Volk anrichten konnte, durfte er ihnen die Strafe nicht erlassen. PP 419 (PP 398)

In den Augen der Menschen hatte sich Mose keines großen Vergehens schuldig gemacht. Seine Sünde war ein ganz gewöhnlicher Vorfall. Der Psalmist sagt, „dass er unbedacht redete mit seinen Lippen" (Ps 106,33). Nach menschlichem Ermessen mag dies ge­ringfügig gewesen sein. Aber wenn Gott wegen dieser Sünde mit seinem neuesten, hochgeachteten Diener so streng verfuhr, wird er sie auch bei andern nicht entschuldigen. PP 420 (PP 400)

Wohl gibt es auch eine Entrüstung, die selbst bei den Nachfolgern Christi berechtigt ist. Wenn sie sehen, dass Gott entehrt oder sein Dienst in Verruf gebracht wird oder wenn Unschuldige unterdrückt werden, dann kann eine gerechte Entrüstung die Seele erregen. DA 310 (LJ 299)

Als Mose vom Berg herabstieg mit den zwei Tafeln des Zeugnisses in der Hand, hörte er das Geschrei des Volkes und erblickte im Näherkommen den Götzen und die feiernde Menge. Überwältigt von Entsetzen und Entrüstung, dass Gott entehrt worden war und dass das Volk seinen feierlichen Bund mit Gott gebrochen hatte, warf er die beiden Steintafeln zu Boden und zerbrach sie am Fuß des  Berges. Obgleich seine Liebe für Israel so groß war, dass er sein Leben für sie dahingegeben hätte, veranlasste ihn sein Eifer für Gottes Ehre doch zum Zorn, der sich in dieser Handlung von solch schrecklicher Bedeutung ausdrückte. Gott tadelte ihn nicht. Das Zerbrechen der Steintafeln veranschaulichte nur, dass Israel den erst kürzlich mit Gott geschlossenen Bund gebrochen hatte. Wenn die Schrift sagt: „Zürnet und sündigt (dabei) nicht" (Eph 4,26 Rev. Elb ), so spricht sie von einer gerechten Entrüstung gegen die Sünde, die dem Eifer für Gottes Ehre entspringt, nicht von jenem Zorn, der durch Eigenliebe oder verletztem Ehrgeiz her­vorgerufen wird. Um eine solche gerechte Entrüstung handelte es sich bei Moses Zorn. TM 100 (ZP 83)

Solcher Zorn, aus hohem sittlichem Empfinden geboren, ist keine Sünde. Wer sich jedoch bei jeder vermeintlichen Provokation frei fühlt, Ärger oder Groll Raum zu geben, öffnet Satan sein Herz. Bitterkeit und Feindschaft müssen aus der Seele verbannt werden, wenn wir im Einklang mit dem Himmel leben wollen. DA 310 (LJ 299)

Eine sanfte Antwort wendet Grimm ab, aber ein kränkendes Wort " erregt Zorn. Spr 15,1 Rev. Elb.

Christus betrachtet Zorn als Mord ... Solange Hass in der Seele gehegt wird, existiert dort kein Funken Gottesliebe. OHC 235

Man hört oft: „Aber Jesus war doch auch zornig!" War Jesus nun von gerechter Entrüstung oder ungerechtem Zorn erfüllt?

Und er spricht zu ihnen: Darf man am Sabbat Gutes oder Böses tun, das Leben retten oder töten? Sie aber schwiegen. Und indem er sie ringsumher mit Zorn ansah, betrübt wegen der Verstocktheit ihres Herzens, spricht er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Mk 3,4.5 Schlachter

Furchtlos verurteilte er zwar Heuchelei, Unglauben und Bosheit, aber er konnte seine scharfen Zurechtweisungen nur mit tränenerstickter Stimme aussprechen. Er weinte über Jerusalem, über die Stadt, die er liebte, weil sie ihn nicht anerkennen wollte ... er betrachtete sie mit mitleidsvollem Zartgefühl und so tiefer Trauer, dass es ihm das Herz brach. DA 353 (LJ 343)

Und Jesus trat in den Tempel ein und trieb alle hinaus, die im Tempel verkauften und kauften, und die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer stieß er um. Und er spricht zu ihnen: Es steht geschrieben: „Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden'"; ihr aber habt es zu einer „Räuberhöhle"2 gemacht. Mt 21,12.13 Rev. Elb.

Während er auf dieses Treiben blickt, zeigt sich in seinem Angesicht Entrüstung, Autorität und Macht. Die Aufmerksamkeit des Volkes richtet sich auf ihn. Die Augen derer, die sich mit dem unehrlichen Handel befassen, blicken starr auf den Herrn; sie können ihren Blick nicht abwenden. Sie spüren, dass dieser Mann ihre geheimsten Gedanken liest und ihre verborgensten Absichten durchschaut ... Ein Gefühl des Schreckens bemächtigt sich der Versammlung. Es ist, als ob alle vor dem Richterstuhl Gottes stehen und von ihren Taten Rechenschaft ablegen müssen ... Seine Gestalt scheint in imposanter Würde alle Anwesenden zu überragen - und göttliches Licht erleuchtet sein Angesicht. Er spricht, und seine klare, klangvolle Stimme - dieselbe Stimme, die auf dem Sinai das Gesetz verkündigte, das die Priester und Obersten jetzt übertreten - ertönt und hallt durch das Tempelgewölbe: „Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus!" (Joh 2,16)

Dann schreitet er langsam die Stufen hinab, erhebt die Geißel aus Stricken, die er beim Betreten der Tempelanlage aufgenommen hat, und gebietet den Händlern zu verschwinden. Mit einem Eifer und einer Strenge, die er nie zuvor an den Tag gelegt hat, stößt er die Tische der Geldwechsler um ... Obwohl Jesus mit der Peitsche aus Stricken nicht zuschlägt, erscheint diese schlichte Geißel in seiner hoch erhobenen Hand doch wie ein flammendes Schwert ... Die Menge spürt, dass seine Göttlichkeit sie über­schattet und wird von Panik ergriffen. Hunderte bleicher Lippen stoßen Schreckensrufe aus. Selbst die Jünger zittern. Sie sind von Scheu ergriffen durch die Worte und die Art des Auftretens Jesu, die seinem gewöhnlichen Benehmen so ganz unähnlich ist. Sie erinnern sich, dass von ihm geschrieben steht: „Der Eifer um dein Haus hat mich gefressen." (Ps 69,10; s. Joh 2,17) DA 157,158 (L.I 143,144)