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Mit ihm zu gleichem Tode gekommen.

So wir aber samt ihm zu gleichem Tode gekommen sind, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein. — Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Mal. — Also auch ihr, haltet euch dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebet Gott in Christo Jesu, unserem Herrn. (Röm. 6, 5.10.11)

Dem Tode Jesu verdanken wir unsere Erlösung. Je tiefer wir in die Bedeutung dieses Todes eindringen, desto mehr werden wir von seiner Macht erfahren. Die oben angeführten Worte zeigen uns, was es bedeutet, mit Jesu zu gleichem Tode gepflanzt zu sein, und jeder, der ernstlich danach verlangt, Jesu ähnlich gemacht zu werden, wird zu verstehen suchen, worin die Ähnlichkeit mit Jesu Tod besteht.

Jesus hatte durch seinen Tod ein zweifaches Werk zu vollbringen. Einmal sollte er unsere Rechtfertigung auswirken und dann uns das neue Leben mitteilen. Wenn in der Heiligen Schrift von dem ersten Teil seines Werkes die Rede ist, so wird der Ausdruck gebraucht: Jesus starb für unsere Sünden; er nahm unsere Sünden auf sich und trug ihre Strafe; dadurch hat er uns versöhnt und eine Gerechtigkeit zustande gebracht, die vor Gott gilt. Sobald aber von dem zweiten Teil des Werkes Jesu gesprochen wird, so kommt dieser Ausdruck vor: Er starb der Sünde. Das Sterben für die Sünde bezieht sich auf das rechtliche Verhältnis zwischen ihm und der Sünde; Gott warf unsere Sünde auf ihn; durch seinen Tod ist vor Gott für die Sünde eine Genugtuung geschehen. Dagegen weist das „der Sünde sterben“ auf eine persönliche Beziehung hin; durch seinen Tod wurde die Verbindung, in der er zu der Sünde stand, gänzlich aufgelöst.

Während seines Lebens hatte die Sünde die Macht, ihm Kampf und Leiden zu bereiten; aber sein Tod machte diesem ein Ende. Jetzt durfte ihn die Sünde nicht mehr versuchen noch ihm Schmerz verursachen; er war ihrem Bereich entrückt; der Tod hatte ihn vollständig getrennt von der Sünde; er war ihr gestorben.

Gleichwie Jesus, so ist auch der Gläubige der Sünde gestorben; denn er ist mit ihm im gleichem Tode gestorben. Und wie der Glaube, dass Jesus zur Versöhnung für unsere Sünden starb, zu unserer Rechtfertigung unbedingt notwendig ist, ebenso ist der Glaube, dass Jesus der Sünde gestorben ist und wir mit ihm zu gleichem Tode gestorben sind, für unsere Heiligung unentbehrlich. Wir wollen versuchen, uns dies klarzumachen.

Jesus erlitt den Tod als zweiter Adam. Mit dem ersten Adam waren wir verbunden zu gleichem Tode: er starb und wir mit ihm, und die Macht seines Todes ist wirksam in uns: wir sind in der Tat mit ihm gestorben, so gewiss wie er selbst gestorben ist. Dies verstehen wir. Gerade so sind wir eine Einheit geworden mit Jesu in seinem Tode: er starb der Sünde und wir auch durch ihn, und nun ist die Kraft seines Todes mächtig in uns. So gewiss er der Sünde gestorben ist, ebenso wahrhaftig sind auch wir ihr gestorben, glaubst du das?

Durch unsere leibliche Geburt nahmen wir am Tode Adams teil; durch die neue Geburt werden wir des Todes des zweiten Adam teilhaftig. Jeder Gläubige, der den Herrn im Glauben aufnimmt, bekommt Anteil an der Kraft seines Todes und ist der Sünde gestorben. Aber ein Kind Gottes mag vieles besitzen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Bei ihrer Bekehrung beschäftigen sich die meisten Christen so ausschließlich mit dem Tode Jesu für die Sünde zu ihrer Rechtfertigung, dass sie gar nicht darüber nachdenken, was es bedeute, dass sie in ihm der Sünde gestorben sind. Es ist aber wichtig zu verstehen, was es mit dem verbunden sein zu gleichem Tode mit ihm für eine Bewandtnis habe. Dann finden sie das Geheimnis eines heiligen Lebens darin, dass sie, gleichwie Jesus, der Sünde gestorben sind.

Ein Christ, der hierüber noch im unklaren ist, bildet sich stets ein, die Sünde sei ihm zu stark, sie habe immer noch Gewalt über ihn, und er müsse ihr zuweilen gehorchen. Aber er stellt sich dies vor, weil er nicht weiß, dass er, gleichwie Jesus, der Sünde gestorben ist. Wenn er es doch nur glauben und verstehen würde, so müsste er sich sagen: „Jesus ist der Sünde gestorben, folglich hat sie nichts mehr von ihm zu fordern. Während seines Erdenlebens und bei seinem Tode hatte sie noch Gewalt über ihn; die Sünde verursachte ihm die Schmerzen des Kreuzes und die Demütigung des Grabes; aber er ist der Sünde gestorben: sie darf keinen Anspruch mehr an ihn machen, er ist völlig und auf ewig von ihrer Macht befreit. Dies gilt auch von mir als einem gläubigen Christen; das neue Leben in mir ist das Leben Jesu, ein aus dem Tode hervorgegangenes Leben, ein Leben, das der Sünde gänzlich gestorben ist.“ Als ein neues Geschöpf in Christo Jesu kann der Gläubige sich rühmen und sagen: „Gleichwie Jesus, so bin auch ich der Sünde gestorben; sie hat keinerlei Recht oder Gewalt über mich; ich bin von ihr befreit, darum brauche ich nicht mehr zu sündigen.“

Wenn nun aber ein Gläubiger dennoch sündigt, so geschieht es, weil er nicht von seinem Vorrecht Gebrauch macht, zu leben als ein der Sünde Gestorbener. Durch Unwissenheit, Mangel an Wachsamkeit oder Unglauben vergisst er die Bedeutung und die Kraft des Todes Jesu, dem er ähnlich gemacht worden ist, und dann sündigt er. Aber wenn er sich fest an die Tatsache hält, dass er mit Jesu zu gleichem Tode gepflanzt ist, so hat er die Kraft, die Sünde zu überwinden. Er weiß wohl, dass es nicht heißt: „Die Sünde ist gestorben.“ Nein, die Sünde ist nicht tot, sie lebt und ist im Fleische tätig; aber er selbst ist der Sünde gestorben und lebt Gott, und deshalb kann ohne seine Erlaubnis die Sünde auch nicht einen Augenblick über ihn herrschen. Sündigt er doch, so hat er der Sünde das Regiment eingeräumt und ergibt sich darein, ihr zu gehorchen.

Liebe Leserin, lieber Leser, der du Jesu ähnlich werden möchtest, siehe, hier ist dir ein überaus herrliches Stück des Lebens gezeigt, wonach du dich ausstreckst. Mache es dir vor allen Dingen durch den Glauben zu eigen. Halte dich dafür, dass du in der Tat der Sünde gestorben bist. Siehe dies als eine Tatsache an, die Gott von einem jeden seiner Kinder, auch von dem schwächsten, bezeugt; sprich es vor ihm aus: „Gleichwie Jesus, so bin auch ich der Sünde gestorben.“ Fürchte dich nicht, es zu sagen, denn es ist Wahrheit. Bitte den heiligen Geist dringend, dich in Beziehung auf diesen Teil deiner Vereinigung mit Jesu zu erleuchten, so dass du es nicht bloß als Lehre, sondern als kräftige Wahrheit annehmest.

Vertiefe dich immer mehr in die Bedeutung dessen, was es heißt, der Sünde gestorben zu sein und zu leben als einer, der durch den Tod von ihrer Herrschaft befreit worden ist, und der nun durch Jesus Christus über sie herrschen kann. Hast du dies im Glauben dir angeeignet, so wirst du seinem Tode ähnlich gemacht werden (Phil. 3, 10), d. h. du wirst allmählich immer tiefer davon durchdrungen werden, je mehr Jesu Tod seine Kraft in allen Teilen deines Wesens offenbaren kann.

Um dieses vollen Segens teilhaftig zu werden, sind hauptsächlich zwei Dinge zu berücksichtigen. Zunächst die Verpflichtung, die dir damit auferlegt wird: „Wie sollten wir der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind?“ Der Tod Jesu, in den du getauft worden bist, verlangt von dir: lieber sterben als sündigen; bereitwillig sein, zu sterben, um die Sünde zu überwinden; sterben, und dadurch von der Gewalt der Sünde befreit zu sein. „Wisset ihr nicht, dass alle, die wir in Jesus Christ getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?“ Lasse dich durch den heiligen Geist immer mehr in diesen Tod taufen, bis die Kraft des göttlichen Wortes: „Der Sünde gestorben“, bis die Ähnlichkeit des Todes Jesu in deinem ganzen Wesen und Wandel zu bemerken ist.

Das zweite, auf das du dein Augenmerk richten musst, ist dies: Darin, dass du dem Tode Jesu gleich wirst, liegt nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch eine Kraft.

 In Römer 6 geht es um  das gleichwerden mit Christus zu gleichem Tode, der Ähnlichkeit in der Auferstehung; niemand kann mit ihm lebendig gemacht werden, der nicht zuvor mit ihm gestorben ist. Dagegen wird in Philipper 3,10 von der Ähnlichkeit mit Jesu Tode gesprochen, als erfolgte sie aus der Erkenntnis der Kraft seiner Auferstehung: das Wachstum des Auferstehungslebens in uns führt uns zu immer tieferer Erfahrung des Gestorben seins mit Jesu. Eine beständige Wechselwirkung besteht zwischen diesen beiden.

Lieber Mitchrist, der du Jesu ähnlich zu werden strebst: was du vor allem verstehen musst, ist die überschwängliche Größe der Kraft Gottes, die in dir mächtig wirkt, zu erkennen. In seinen Tod rang Jesus mit der Macht der Hölle und überwand sie durch Ewigkeitskräfte. Du hast Anteil an dem Tode Jesu und an der Macht, wodurch er siegte. Übergib dich ihm mit freudigem Glauben, damit du immer tiefer eingeführt werdest in die Ähnlichkeit seines Todes, dann wirst du unfehlbar umgestaltet werden nach seinem Bild.

O mein Herr, wie wenig habe ich von deiner Gnade verstanden! Ich habe die Worte oft gelesen: „Vereint samt ihm zu gleichem Tode“; aber ich habe nicht erkannt, welche Kraft darin liegt. Da mir nicht klar war, was das heißt: deinem Tode ähnlich gemacht sein, so wusste ich auch nicht, dass ich von der Macht der Sünde erlöst sei und als Sieger über sie herrschen könne O Herr, du hast mir in der Tat Herrliches in Aussicht gestellt. Wer im Glauben die Ähnlichkeit deines Todes sich aneignet und auf dein Wort hin sich als der Sünde gestorben hält, über den kann die Sünde keine Herrschaft ausüben; er hat die Macht, Gott zu leben.

O Herr, offenbare mir dies noch völliger durch deinen heiligen Geist. Ich will dein Wort in einfältigem Glauben ergreifen und die Stellung, die du mir anweisest, als der Sünde gestorben, einnehmen. Herr, in dir bin ich wirklich der Sünde gestorben. Lehre mich dies, oder vielmehr dich selbst im Glauben festzuhalten, auf dass mein ganzes Leben die Wahrheit dieser Tatsache bezeuge. Lieber Herr, nimm mich auf in deine Gemeinschaft, und erhalte mich darin, damit ich durch das Bleiben in dir es erfahren möge, dass ich in dir der Sünde gestorben bin und Gott lebe.